Altino: die Ursprünge Venedigs

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(1) Die Spuren erster menschlicher Präsenz im Gebiet von Altino, dem antiken Altinum, gehen auf das 8. bis 5. Jahrtausend v. Chr. zurück. In der Bronzezeit (15.-13. Jahrhundert v. Chr.) entstand die erste dauerhafte Ansiedlung. (2) Das Gebiet erreichte den Höhepunkt seiner Entwicklung im zweiten vorchristlichen Jahrhundert, als Altinum zum römischen Municipum wurde. Die endgültige Romanisierung begann mit dem Bau der Via Annia, einer bedeutenden Römerstraße, im Jahr 131 v. Chr.

(3) In dieser Epoche zählte Altinum über 30.000 Einwohner und war damit eine der größten und wichtigsten Städte des Römischen Reichs. Die Stadt lag im Randgebiet der Lagune, im Schutz der drei Karst-Qellflüsse Sile, Zero und Dese, und war ein wichtiger  Knotenpunkt an der Kreuzung der Via Annia mit der ebenso bedeutenden Römerstraße Via Claudia Augusta. Die Via Annia führte von Adria über Padua nach Aquileia; die Via  Claudia Augusta (47 n. Chr. erbaut, 520 km lang) führte über die Alpen bis über Augsburg hinaus und erreichte die Donau. Die Stadt war außerdem einer der wichtigsten Häfen im Norden der Adria.

Altinum mit seinen Villen, Tempeln und öffentlichen Gebäuden wurde schon im ersten nachchristlichen Jahrhundert zur Urbs ernannt, zum Gemeinwesen mit einem besonderen Stadtrecht.

(4) Nach dem Edikt von Kaiser Kostantin (313 n. Chr.), das den Christen freie Ausübung  ihrer Religion gestattete, wurde Altinum Bischofsitz, und zwar bis zum Jahr 407 n. Chr. unter Bischof Heliodor I.

(5) Der Niedergang der Stadt begann mit dem Einfall der Hunnen unter Attila im Jahr 452 n. Chr. Im 7. Jh. zogen sich die Einwohner definitiv auf die Insel Torcello zurück, das antike Turricellum (so genannt in Erinnerung an Turris von Altinum). Mit der Verlagerung des Bischofssitzes dorthin wurde der Grundstein für das spätere Venedig gelegt.

(6) In den Wirren der Völkerwanderungszeit entvölkerte sich das Gebiet vollständig, die Kulturlandschaft versumpfte zunehmend.

Im 15. Jh., als sich die “Serenissima”, die Republik Venedig, in Richtung Treviso ausdehnte, brachten reiche Venezianer neue Siedler ins Gebiet und gewannen allmählich die Kulturlandschaft zurück. Es entstand der kleine Ort San Michele del Quarto: der Name geht zurück auf eine kleine Kirche, die dem Heiligen Michael (San Michele) geweiht war, und sich vier römische Meilen vom einstigen Altinum entfernt befand, also am „Vierten“ (Quarto) Messpunkt lag. (7) Nach dem Fall der Republik Venedig im Jahr 1797 wurden die beiden Gemeinden San Michele del Quarto und Trepalade (mit Portegrandi) gegründet. In der Zeit des Königreichs Lombando-Veneto wurden Trepalade und Portegrandi in die Gemeinde von San Michele del Quarto eingemeindet.

(8) Erst 1946, nach dem Zweiten Weltkrieg, erhielt das Städtchen im modernen Italien seinen heutigen Namen Quarto d’Altino.

(9) Die Ausgrabungen haben, besonders in der 2. Hälfte des 20. Jh.s, eine große Menge  archäologischer Funde von außerordentlichem Wert ans Licht gebracht. Ein Besuch im Archäologischen Museum lässt die Erlesenheit der Mosaiken erkennen, der Skulpturen, und der Glaskunst der Bewohner des antiken Altinum. Das weist auf den Reichtum der alten Stadt hin, sowie auf das ausgedehnte Netz der Handelsbeziehungen: Altinum lag im Knotenpunkt der Straßen in die Gebiete nördlich der Alpen, der Hafen öffnete die Seewege nach Ostern.

Als das Museum 1960 eröffnet wurde, umfasste der Bestand weniger als 10.000 Objekte, heute ist die Sammlung auf ca. 40.000 Stücke angewachsen. (10) Das  Archäologische Nationalmuseum von Altino liegt inmitten des weitläufigen  archäologischen Gebietes, welches die UNESCO im Jahr 1987 zusammen mit weiten Teilen der Gemeinde Altino als Weltkulturerbe “Venedig und seine Lagune” unter Schutz gestellt hat.

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